Jasna Petrovic leitet die Demenzwohngruppe im Alp Betagtenzentrum. Im Gespräch gibt sie Einblick in ein Leben mit Demenz, aber berichtet auch über Angehörige am Limit. Lesen Sie das Interview im Geschäftsbericht auf Seite 21-22.
Wie darf man sich das Leben in einer Demenzwohngruppe vorstellen?
«Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Art Bücherregal des Lebens. Die einzelnen Bücher sind dabei Fähigkeiten und Fertigkeiten, so z.B. Schuhe binden. Wackelt eines der Bücher im Regal, geht die Fähigkeit vorübergehend verloren; dann kommt das Buch allenfalls wieder in Position und dadurch ist die Fertigkeit wieder vorhanden. Mit zunehmender Demenz fallen dann die Bücher ganz aus dem Regal, was gleichzusetzen ist mit dem unwiederbringlichen Verlust einer Fähigkeit. Dies bedingt auch, dass sich Demenzbetroffene zunehmend nicht mehr in unsere stark normierte Welt einpassen lassen. Die Betroffenen leben eine andere «Normalität», was aber nicht bedeuten will, dass es nicht auch eine Art von «normal» wäre. Unser Leben auf der Demenzwohngruppe orientiert sich an diesem «alternativen Normal». Die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen eigentlich alles, was sie wollen. Will heissen: Demenzbetroffene sehen keine Relevanz, ob eine Mahlzeit an einem Stück eingenommen wird oder mit Unterbruch, ob sie um 12.00 Uhr stattfindet oder zu einer anderen Zeit, ob die Haare immer gleich nach hinten gekämmt sind oder ob es unangebracht wäre, um 11.00 Uhr im Pyjama zu sein. Bei uns schlafen Bewohnerinnen aus, solange sie mögen und Bewohner dürfen in der Nacht «nuusche», wenn sie sich nicht nach schlafen fühlen. Unser Ziel ist es, den Menschen mit einer demenziellen Entwicklung ausserhalb der Norm individuell eine hohe Lebensqualität zu geben. Wir vermitteln ihnen das Gefühl, dass sie «richtig» sind, so wie sie sind.»