Med. pract. Simone Bürck ist seit Januar 2025 Heimärztin bei der BZE AG und betreut 244 von knapp 300 der Bewohnerinnen und Bewohner im Alp und Emmenfeld Betagtenzentrum. Im Interview erzählt sie, was die Grundsätze der geriatrischen Medizin sind und was ihr in der Arbeit bei der BZE AG besonders wichtig ist.
Was sind die Themen in der Geriatrie?
Ich sage es gerne so: Geriatrie ist kein Fachgebiet, sondern eine Haltung. Autonomie, Mobilität und Kognition sind dabei die drei Säulen der geriatrischen Arbeit – an diesen drei wird gearbeitet, um die Lebensqualität der betagten Patientinnen und Patienten möglichst gut zu erhalten. Die Arbeit ist sehr umfangreich und komplex; ob akute Notfälle, Kennenlernen bei Eintritt oder die Arbeit im Vertrauensaufbau mit dem Bewohner, jede Situation erfordert Fingerspitzengefühl.
Warum lassen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner heimärztlich versorgen?
Die Präsenz als Heimärztin vor Ort vermittelt Sicherheit. Dies schätzen sowohl die Pflegeteams als auch die Bewohnenden und Angehörigen. Ich bin schnell und regelmässig verfügbar. Auch bei Notfällen oder Unsicherheiten bin ich direkt ansprechbar. Wunden oder Verhaltensauffälligkeiten können so schneller entdeckt resp. aufgefangen werden. Zudem komme ich zu den Patientinnen und Patienten, sie müssen nicht extra einen Weg auf sich nehmen. Das macht die Organisation einfacher.
Was ist Ihnen in der medizinischen Versorgung der Betagten besonders wichtig?
Ein respektvoller Umgang und individuelle Betreuung sind meiner Meinung nach besonders entscheidend. Ich möchte den Menschen in seiner Biografie wahrnehmen und anerkennen. Die Lebensgeschichte ist bei Betagten entscheidend im Umgang. Ältere Menschen haben Prägungen aus der Kindheit, haben Strategien entwickelt, um sich im Leben zurechtzufinden. Und bei vielen muss die nicht immer einfache Geschichte Berücksichtigung finden – dazu zählen schwierige Familienverhältnisse, Krieg, Migration, welche die Identität geprägt haben. Das Verhalten des Patienten wird nach Kenntnis der Geschichte oft klarer. Darum ist die Biografiearbeit so fundamental, für die ich mir Zeit nehme. Wenn es gelingt, die Menschen in ihren Eigenarten zu nehmen und leben zu lassen – mit der grösstmöglichen Toleranz und der geringst nötigen Autorität, dann haben wir gute Arbeit geleistet. Keine einfache Gratwanderung.
Wie gelingt die fachliche Zusammenarbeit?
Die Interaktion mit den Pflegeteams, Therapeuten und Pflegeexpertinnen ist sehr intensiv, um eine optimale Versorgung des Patienten zu gewährleisten. Mit der Pflege stehe ich ständig im Austausch, z.B. um Fortschritte abzufragen. Mit den Pflegeexpertinnen bin ich andererseits im Austausch, um Prozesse zu verbessern. Zudem bin ich in Verbindung mit Physio-, Ergotherapie und Logopädie sowie mit Haus- und Spitalärzten. Mir ist ein gemeinschaftlicher Gedanke wichtig. Manchmal ist meine Perspektive als Ärztin gefragt, dennoch sind die Beobachtungen der Pflege sehr wichtig. Eine multimodale Herangehensweise bei multimorbiden Bewohnerinnen und Bewohnern ist gewinnbringend.
Was zeichnet Sie aus?
Ich möchte Vertrauen schaffen. Ich nehme die Menschen – Betagte, Angehörige und Mitarbeitende – ernst und versuche, wann immer möglich, Aufklärung und Transparenz zu leben. Alle Beteiligten sollen «mitgenommen werden».
Haben Sie Fragen an die Heimärztin?
Simone Bürck steht unter 041 268 56 56 oder simone.buerck@bzeag.ch zur Verfügung.