Im Alp und Emmenfeld Betagtenzentrum entstehen immer wieder Momente, die Erinnerungen wecken und zu Gesprächen über die Vergangenheit anregen. Im Rahmen des Programms «Männerhort» der Aktivierungs- und Alltagsgestaltung stand Ende Mai das Thema Velo im Mittelpunkt.
Ein Velomech als Türöffner für Begegnungen
Ein «fliegender Velomech» war Gast auf dem Gelände des Emmenfeld Betagtenzentrums. Die BZE AG hatte ihn eingeladen, um im Rahmen einer Mitarbeiteraktion Fahrräder direkt vor Ort zu flicken. Damit auch die Bewohnenden an der Aktion teilhaben konnten, besuchte José Romero, Aktivierungsfachmann bei der BZE AG, mit einer Gruppe Männer den Velomech bei der Arbeit. Schon bald wurden aus den mechanischen Handgriffen lebendige Geschichten. Die Erzählungen des Velomechs über seine Zeit in der Velo-Rekrutenschule öffneten die Tür zu persönlichen Erinnerungen unserer Herren.
Kindheitserinnerungen zwischen Einfachheit und Aufbruch
Die Gespräche führten weit zurück in die Vergangenheit: zu den ersten Velos während der Weltkriegszeiten, ausgestattet mit Vollgummirädern und Karbidlampen. «Als dann der Dynamo kam, das war ja ein riesiger Fortschritt», erinnert sich Herr Abel. Die anderen Herren nicken zustimmend. An den revolutionären Dynamo können sich alle lebhaft erinnern.
Herr Buholzer klärt auf, wie das genau war mit den Vollgummirädern, bzw. wer überhaupt ein Fahrrad hatte und welches Privileg das bedeutete. Heute kaum mehr vorstellbar. «Wir hatten einen sehr langen Schulweg und niemand hatte damals Geld. Ich hatte mein Velo von meinem Grossvater bekommen und konnte daher zur Schule fahren. Viele andere liefen noch barfuss oder hatten unbequeme angenagelte Holzsohlen, damit sich die Schuhe weniger schnell abnützten.»
Auch Herr Abel erzählte eindrücklich von der Nachkriegszeit in Deutschland. Ersatzteile waren zu teuer, Kreativität und Improvisation war gefragt: Gummiteile, Federn und einfache Mittel halfen, die Velos fahrtüchtig zu halten – ein Spiegel der Zeit und der damaligen Lebensumstände. Herr Abel erinnert sich kopfschüttelnd an sein damaliges Lehrergehalt von wenigen Pfennigen und die Kosten für beispielsweise Butter, die um ein Vielfaches höher waren als das Gehalt. Es scheint, als könnte er dies selbst kaum mehr glauben.
Das Velo als treuer Begleiter
Für viele wurde das Velo später auch ein Arbeitsinstrument. Herr Buholzer war bei der PTT mit seinem gelben Dienstvelo unterwegs und kannte die Region aus dem Effeff. Er brachte den Bauern das Milchgeld oder überbrachte Renten. Nach der Frage, ob das nicht gefährlich war, mit so viel Geld unterwegs zu sein, lacht Herr Buholzer herzlich: «Das war nie ein Problem. Das war damals anders.» Angst vor Überfällen musste er nie haben. «Und auch das auffällige gelbe PTT-Velo», erzählt er schmunzelnd, «wäre damals nie gestohlen worden.»
Auch bei Herrn Amrhein spielte das Velo im Berufsalltag eine wichtige Rolle: In der Flugzeugmechanik war es ein praktisches und zuverlässiges Fortbewegungsmittel. Zur Arbeit und nach Hause, ständig war er mit dem Velo unterwegs. Wobei: 3-Gang-Nabenschaltung war das höchste der Gefühle., nicht etwas 21-Gänger oder sogar E-Bike, wie das heute üblich ist.
Gemeinsam Erinnerungen teilen
Was diesen Anlass auszeichnet, sind neben den Geschichten selbst der Austausch darüber. Erinnerungen werden wach, wandern zwischen den Gesprächspartnern hin und her und gewinnen im gemeinsamen Erinnern neue Bedeutung. Bei einem kühlen Bierchen stiessen die Herren schliesslich noch an und waren sich einig: «Die Entwicklungen, die unsere Generation mitgemacht hat, sind einfach wahnsinnig.»
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