Renata Santos ist HR-Assistentin und Bildungsverantwortliche KV bei der BZE AG. Sie verantwortet die Zivildiensteinsätze und beantwortet im Interview die Fragen von Gregor Szyndler von Le Monde Civil (Zeitschrift des Schweizerischen Zivildienstverbandes CIVIVA).
Seit wann haben Sie Zivis bei der BZE AG?
Das ist schwierig zu sagen. Sicher ist, dass wir seit mindestens 19 Jahren Zivildienstleidende haben. Eventuell auch schon früher.
Was sind typische Zivi-Aufgaben?
Das hängt von den Pflichtenheften ab. Bei Allroundern im Bereich Immobilien machen Zivis allgemeine Unterhaltsarbeiten 60 %, Umgebungsarbeiten 20 %, Organisation 10 % und Grundreinigung ebenfalls 10 %. Die Allrounder Immobilien und IT-Supporter erledigen zu 50 % First-Level-Support von Smartphones, Betreuung der Bewohnerrufsystemen und Telefonie. 20 % erledigen sie Unterhaltsarbeiten in der Immobilien, 20 % sind IT-Problemen von Bewohnenden gewidmet und 10 % der Organisation. Assistenten in der Pflege und Betreuung sind 70 % für die Aktivierung und Alltagsgestaltung der Bewohnenden, 20 % für die Grundpflege und 10 % für die Hauswirtschaft zuständig.
Was sind Ihre Erfahrungen mit den Zivis?
Wir haben durchgehend gute Erfahrungen gemacht. Wer sich für einen Einsatz bei uns entscheidet, zieht diesen durch. Unsere Zivis sind motiviert und leisten einen sehr guten Einsatz. Wir haben auch immer wieder Zivis, die mehrere Einsätze bei uns machen.
Haben Sie eher Kurz- oder Langeinsätze?
Momentan haben wir zwei Zivis, die einen langen Einsatz machen. Von ihnen abgesehen variiert die Dauer zwischen einem und vier Monaten. Die Zivis können ja immer nur so lange bleiben, wie sie es mit ihren Arbeitgebern vereinbaren können. Viele Zivis freuen sich, dass sie bei ihrem Einsatz mit Menschen zu tun haben, dass sie etwas fürs Wohlergehen der Bewohnenden tun können. Sie müssen aber auch menschliche Reife beweisen – sich beispielsweise abgrenzen können. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wachsen einem bei langen Einsätzen ans Herz, werden krank oder sterben. Das ist menschlich herausfordernd.
Der Zivildienst steht unter Beschuss: Zivis seien Drückeberger und Abschleicher, der Zivildienst sei ein Schoggijob.
Was erwidern Sie auf solche Vorwürfe?
Ich sehe in meiner Arbeit, wie engagiert und motiviert die Zivis anpacken. Sie arbeiten nicht einfach nur ihren Dienst ab, sondern sie sind hier voll eingebunden. Aus dieser Warte sind solche Vorwürfe nicht korrekt. Aber natürlich gibt es wie überall sicherlich auch unter den Zivis solche, die versuchen, mit dem Minimalprogramm durchzukommen.
Welchen Einfluss würde ein massiver Rückgang oder Ausbleiben von Zivis für Ihren Einsatzbetrieb haben?
Das würden wir in verschiedenen Bereichen spüren. Sie sind eine Unterstützung und Entlastung für uns, geben uns eine gewisse Planungssicherheit.
Welchen Beitrag können Zivis leisten gegen den Fachkräftemangel in der Pflege?
Das ist eine schwierige Frage. Wir haben wie gesagt nicht so viele Zivis im Pflege-Assistenzbereich. Es wäre wünschenswert, mehr zu haben. Ein Stück weit kann ich es verstehen, dass wir in anderen Pflichtenheften mehr Zivis haben. Unsere Pflege-Assistenz-Zivis haben dieselben Schichten wie die Pflegenden – inkl. Nachtdiensten. Dennoch profitiert man menschlich sehr viel von einem solchen Einsatz. Die Dankbarkeit der Bewohnenden ist immer sehr gross. In der Pflege gilt: Alle helfenden Hände sind willkommen.
Wie stellen Sie sicher, dass Zivi-Einsätze arbeitsmarktneutral sind?
Unsere Zivis machen unterstützende Tätigkeiten, Hilfs- oder Entlastungsarbeiten. Unsere Pflegefachkräfte haben ja auch viel im Büro zu tun oder sie müssen Medikamente richten. Zivis können sich in dieser Zeit um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmern. Die Mitarbeitenden haben keine Ressourcen, z.B. für grössere Rundgänge mit den Bewohnenden. Da wird die Unterstützung von Zivis dankend angenommen.
Was wünschen Sie sich für den Zivildienst der Zukunft?
Ich wünsche mir für unseren und vergleichbare Einsatzbetriebe mehr Zivis im Bereich Pflege-Assistenz. Es würde die Altersheime entlasten und den Betagten viel Freude machen, wenn sich mehr junge Männer für einen Zivildienst in diesem Bereich entscheiden würden.
Originalpublikation: Le Monde Civil, Zeitschrift des Schweizerischen Zivildienstverbandes CIVIVA, 02/2025
Bewerbungen für Zivildiensteinsätze nehmen wir gerne jederzeit entgegen: hr-abteilung@bzeag.ch