Eva Walti ist Fachfrau Betreuung Betagte und arbeitet seit zwei Jahren in der Demenz-Wohngruppe im Emmenfeld Betagtenzentrum der Betagtenzentren Emmen AG (BZE AG). Sie gewährt im Interview Einblicke in die Betreuung der demenzbetroffenen Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Haltung in deren Betreuung.
Was ist das Besondere an deinem Job, Eva?
Hier in der Demenz-Wohngruppe der BZE AG werden die Bewohnenden so akzeptiert, wie sie sind. Wir arbeiten nicht mit Druck und gehen sehr auf den Menschen ein. Seit 2 Jahren arbeite ich ausschliesslich in der Betreuung. Vorher waren diese Betreuungsaufgaben Teil der Pflege. Ich unterstütze die Menschen mit Demenz in ihren Ressourcen und ihrer Selbstständigkeit und plane Alltagsaktivitäten. Da ich den ganzen Tag in der Wohngruppe bin und nahe bei den Demenzbetroffenen, kann ich Missverständnisse sowie schwierige Situationen empathisch entschärfen.
Wie ist deine Haltung im Umgang mit den Demenzbetroffenen?
Ich fokussiere darauf, möglichst lange die Ressourcen der Bewohnerinnen und Bewohner zu erhalten. Beispielsweise fördere ich, dass sie möglichst lange selber essen. Dann versuche ich, die Hand zu führen beim Essen. Ich mache Beobachtungen in den fortschreitenden Prozessen. Ich versuche, die Person nicht drauf zu «lüpfen», sondern zu begleiten.
Und was mir besonders wichtig ist: Ich arbeite nicht defizitorientiert. Ich probiere zu motivieren und die Freude hervorzuholen.
Warum hast du dich auf Demenzbetroffene ausgerichtet?
Ich habe gemerkt, dass ich einen guten Draht zu den Menschen mit einer demenziellen Entwicklung habe. Sie sind sehr direkt. Es gefällt mir, dass man immer gleich weiss, was los ist. Auch mit dem Chaotischen – das ist es halt manchmal – kann ich gut umgehen. Vieles läuft über Gefühle, übers Spüren, über die Sinne. Ich kann das nicht so recht erklären. Ich habe die Ruhe. Ich bin nicht jemand, der korrigiert. Ich nehme die Demenzbetroffenen einfach, wie sie sind.
Wie kannst du dich in die Welt der Demenzbetroffenen hineinversetzen? Muss man die Geschichte von Betroffenen sehr gut kennen, um sie zu kennen und einen Umgang zu finden?
Oft muss man sich ein eigenes Bild machen; die Person kennenlernen im Hier und Jetzt. Manchmal ist es aber auch gar nicht so relevant. Die Geschichte ergibt sich auch aus der Situation. Ich hatte z.B. Karten mit alten Autos. Plötzlich kam der Bewohner ins Sprechen und erzählte von seinem Berufsleben als Autohändler. Wichtig ist sicher, dass man schwierige Themen/Traumata kennt. Oft kann man sich auch ein Bild des Lebens einer Person machen aus den Handlungen; wenn beispielsweise jemand immer kommt, wenn Hilfe gefordert ist, dann versteht man das Pflichtbewusstsein, welches das Leben bis hierher gefordert hat.
Was ist das Wichtigste im Umgang mit Demenzbetroffenen?
Empathie, Wertschätzung, Würde und Verständnis. Wir müssen uns den Demenzbetroffenen anpassen und in ihre Welt eintauchen, nicht versuchen, sie in unsere Realität zu holen. Zur Veranschaulichung: Wir haben eine Dame, die immer den Boden putzen will. Mit 90 kann sie sich kaum bücken, aber sie hat gute Augen und sieht jedes «Dreckli». Wir bestärken sie in dem, was sie tut. Ich probiere in Kontakt zu treten zu den Demenzbetroffenen. Sie kennen mich, das spüre ich. Sie können meinen Namen nicht sagen, aber sie kennen mich. Sie kennen sich auch gegenseitig, auch wenn sie nicht mehr miteinander kommunizieren.
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