Im Rhythmus des Lebens

Intergenerationelle KiTa in der Demenzwohngruppe Emmenfeld Betagtenzentrum

An diesem sommerlichen Donnerstagvormittag erklingt «Es Buure-Büebli» im Innenhof des Emmenfeld Betagtenzentrums. Hinter der Hecke, geschützt von der Aussenwelt, treffen sich heute die «Spielmüüs» der KiTa LUUSZAPFE und die Bewohnerinnen und Bewohner der Demenzwohngruppe zum täglichen Singen.  Eine bunte Mischung aus hellen Kinderstimmen, weichen Sopran- und Altstimmen der Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen und den dunklen Bässen der Herren. Der Klang vermittelt eine erste Idee, wie hier das Leben ineinandergreift und dem Alltag Farbe verleiht. «Es wott es Fraueli zMärit gah» verleitet die Kinder zum Tanz, die älteren Anwesenden schunkeln derweil zum Gesang. Die Kinder sitzen im Kreis mitten unter den Bewohnenden. Diese sind zum Teil passiv und ruhig, dösen in der warmen Vormittagsatmosphäre. 

Beide Seiten profitieren
Edith Kaufmann ist Leiterin Angebote bei Alzheimer Luzern und hat das Intergenerationsprojekt der BZE AG fachlich begleitet. Sie empfindet diese Form als gegenseitige Bereicherung: «Die Kinder lernen auf natürliche Art das Alter und Themen kennen, die das Alter bringt. Und die Demenzbetroffenen haben mit den Kindern wieder wache Momente. Sie bewegen sich anders. Wenn ein Kind einen Ball wirft, reagieren sie anders, als wenn Mitarbeitende das machen. Es weckt einen elterlichen Instinkt in ihnen. Sie finden es einfach schön, wenn Kinder da sind.»

«Die Kinder lernen auf natürliche Art das Alter und Themen kennen, die das Alter bringt. Und die Demenzbetroffenen haben mit den Kindern wieder wache Momente. Sie bewegen sich anders. Wenn ein Kind einen Ball wirft, reagieren sie anders, als wenn Mitarbeitende das machen. Es weckt einen elterlichen Instinkt in ihnen. Sie finden es einfach schön, wenn Kinder da sind.»
Edith Kaufmann, Leiterin Angebote Alzheimer Luzern

Mittagszeit: separat verköstigt 
Im grosszügigen Wohnbereich der Wohngruppe befindet sich der Esstisch, an dem die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Mahlzeiten einnehmen. An zwei weiteren Tischen im Küchenbereich essen die Bewohnenden, die etwas mehr Betreuung brauchen. Abgetrennt hinter einer Scheibe befindet sich der Esstisch der KiTa-Gruppe. Während die Kinder noch ein Zmittagslied singen, geht eine der Bewohnerinnen mit dem Sirup-Krug um und bewirtet ihre Mitbewohnenden. Sobald der Essenswagen den Zmittag für die KiTa vorfährt, wird den Bewohnenden Suppe serviert.

Betreuung am Tisch
Frau S. sitzt mit geschlossenen Augen am Tisch. Eva Walti versucht sie zum Essen zu motivieren. Es gelingt (noch) nicht. Andere essen mit Appetit; im Hintergrund das Geklapper und die Kinderstimmen aus der angrenzenden Küche. Am Bewohnertisch herrscht Stille, ab und zu meldet sich jemand zu Wort, jemand hustet. Jetzt gähnt Frau S. herzhaft. Die Betreuungsfachfrau spricht mit ihr. die Dame blinzelt, geht auf das Gespräch ein und nimmt einen Schluck Sirup.

Eigene Ruhe als Schlüssel
Auf dem Gang sind Mitarbeitende mit der Reinigung beschäftigt. Aus dem Stationszimmer kommt eine Pflegemitarbeiterin mit dem Medikamentenwagen – ein perfekt choreografiertes Team. Eine Mitarbeiterin der Pflege, Christine Jenni, reflektiert ihren Arbeitsalltag in der Wohngruppe: «Die Bewohnenden halten uns den Spiegel hin. Wenn man selber gestresst ist, überträgt sich das sofort. Es ist daher sehr wichtig, dass man eigene Ruhe hat.» Sie erzählt von einem Bewohner, der Pflege nicht immer zulässt. Jeden Abend streckt sie ihm als Ritual, um sich zu verabschieden, die Hand für einen Händegruss hin. Manchmal nimmt er sie, «das ist dann mein Lohn», so Jenni. «Die Bewohnenden spüren, wenn wir im Umgang und in der Pflege viel Feingefühl, Empathie und Herz mitbringen», führt Jenni weiter aus und ergänzt: «Was von den Bewohnenden zurückkommt, ist immer ehrlich, echt und unverfälscht.» Die Mitarbeitenden kennen die Bewohnenden sehr gut und beobachten genau. Die Mitarbeiterin vom Service läuft mit dem Salat vorbei, später dann die Hauptspeise. Es duftet schon fein nach Fleisch. Eine Dame mag lieber Kaffee und Kuchen, sie hat halt einen etwas anderen Rhythmus. Auch das ist okay.

Das Ziel der intergenerationellen Betreuung

Unser Ziel ist es, mit dem Projekt eine soziale Brücke zwischen den Generationen zu bauen: Hemmungen abbauen, Alltagsaktivierung für beide Gruppen ermöglichen und einen Beitrag zur sozialen Integration leisten.

Die intergenerationelle Betreuung entfaltet positive Wirkungen auf beide Seiten. Menschen mit Demenz erleben mehr Freude, Aktivierung, soziale Teilhabe und Zugehörigkeit. Die Kinder entwickeln Empathie, Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein und einen natürlichen Umgang mit Alter und Krankheit. Besonders bedeutsam: Die Wirkungen verstärken sich durch Regelmässigkeit. Wiederkehrende Begegnungen ermöglichen echten Beziehungsaufbau – und genau das unterscheidet das Modell der BZE AG von anderen Bestrebungen.

Panflöte und Basteleinheiten
Malou, die Panflötistin, ist am Nachmittag für ein Konzert zu Besuch. Alle zwei Wochen spielt sie auf der Wohngruppe. Fast alle Bewohnerinnen und Bewohner sind dabei. Die einen klatschen und singen mit, die anderen sitzen still und vermeintlich unbeteiligt. Ein paar Angehörige sind ebenfalls dabei. Die KiTa-Kinder schleichen still, aber nicht unbemerkt, an der Szene vorbei in ihren Aufenthaltsraum, wo später eine Geschichten erzählt und gebastelt wird.

«Ich nehme die Bewohnenden, wie sie sind.»
Eva Walti, die Fachfrau Betreuung, wechselt fliessend zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern hin und her, mit den einen plaudert sie, andere versucht sie zu bewegen, zu wecken, zu tanzen. Es rührt, mit wie viel Einfühlungsvermögen, Feinfühligkeit und Empathie Walti die Bewohnerinnen und Bewohner spürt. Sie meint dazu: «Ich habe einfach gemerkt, dass ich einen guten Draht zu den Leuten habe. Es ist sehr direkt, es gefällt mir, dass man immer gleich weiss, was los ist. Auch mit dem manchmal Chaotischen kann ich gut umgehen. Vieles läuft über Gefühle, über die Sinne. Ich kann das nicht so recht erklären. Ich habe die Ruhe. Ich bin nicht jemand, der korrigiert. Ich nehme sie einfach, wie sie sind.» Es wird gelacht und geplaudert, die einen sind unbeteiligt, wieder andere in Bewegung.

Alle dürfen sein in diesem geschützten Raum, alle sind willkommen und akzeptiert.

Die Freude an den Kindern
Für Angela Fritzsche, Co-Leitung Team Wohngruppe (und ehemalige Leitung KiTa) und von Anfang an Mitverantwortliche für das Projekt intergenerationelle Betreuung ist klar: «Es gibt viele Bewohnende, die grosse Freude haben an den Kindern. Es gibt z.B. einen Bewohner, der trotz fortgeschrittener Demenz alle Kindernamen kennt. Die Bewohnerinnen kommen auch mal ins Spielzimmer, um «mitzuhelfen» oder einfach um zu schauen, was los ist.» Fritzsche findet zudem, dass die Kinder die Stimmung in der Wohngruppe auflockern und auch für besuchende Angehörige einen grossen Wert haben. Monika Bütler, Co-Leitung Ressort Pflege und Betreuung unterstreicht: «Die intergenerationelle Betreuung ist ein Mehrwert für alle Beteiligten. Eine sorgfältige Planung ist sehr wichtig. Es ist ein wunderschönes Projekt, das mit viel Achtsamkeit und Sorgfalt gelingt.»

«Es gibt viele Bewohnende, die grosse Freude haben an den Kindern. Es gibt z.B. einen Bewohner, der trotz fortgeschrittener Demenz alle Kindernamen kennt. Die Bewohnerinnen kommen auch mal ins Spielzimmer, um «mitzuhelfen» oder einfach um zu schauen, was los ist.»
Angela Fritzsche, Co-Leitung Team Wohngruppe und Mitverantwortliche Projekt intergenerationelle Betreuung

Achtsamkeit im Mikrokosmos
Zu «The Rose» auf Panflöte sieht man durch die schmetterlingsverzierte Scheibe die Kinder unter den Stühlen hindurchkriechen, die jungen Betreuerinnen basteln und lachen. Ein Bewohner wandert in den Gängen der Demenzwohngruppe herum. Schön wäre es, wäre unsere Welt ein wenig wie dieser Mikrokosmos. Alle Leben natürlich mit- und nebeneinander, die einen arbeiten, die anderen leben, diese sind jung und im Saft, jene älter und gebrechlich. Die einen haben das ganze Leben vor sich, die anderen ein langes Leben hinter sich. Der Umgang ist wohlwollend und würdevoll, voller Respekt füreinander und für das Leben in seiner Vielfalt.

Der Tag geht dem Ende zu
Nach dem Konzert gibt es Gehtraining und Nagelpflege für einzelne, andere bleiben in der Sitzinsel. Eine Bewohnerin schenkt der Pflegemitarbeiterin eine Tafel Schokolade. Es gibt eine Teerunde. Die Kinder machen sich wieder auf den Weg in die KiTa. Und das Treiben in der Demenzwohngruppe nimmt seinen weiteren Lauf.

«Die intergenerationelle Betreuung ist ein Mehrwert für alle Beteiligten. Eine sorgfältige Planung ist sehr wichtig. Es ist ein wunderschönes Projekt, das mit viel Achtsamkeit und Sorgfalt gelingt.»
Monika Bütler, Co-Leitung Pflege und Betreuung BZE AG

Demenzwohngruppe Emmenfeld Betagtenzentrum

  • 18 Bewohnerinnen und Bewohner
  • Offener Grundriss mit viel Bewegungsraum
  • Garten mit Barfusspfad
  • Intergenerationelle Betreuung, KiTa in der Wohngruppe. Kinder zwischen 3 und 5 kommen täglich aus der KiTA LUUSZAPFE von 07.45 – 16.45 Uhr in die Wohngruppe.

Demenzwohngruppe Alp Betagtenzentrum

  • 19 Bewohnerinnen und Bewohner
  • Garten im Innenhof
  • Intergenerationelle Betreuung für KiTa im Ersatzneubau Mattli geplant

Erfahren Sie mehr zur intergenerationellen Betreuung bei der BZE AG.

Lesen Sie weiter, wie es zum intergenerationellen Betreuungsmodell kam und wer daran beteiligt war.

Weitere Informationen zur KiTa LUUSZAPFE der BZE AG.

29. September 2026