Eva Walti arbeitet in der Betreuung der Demenzwohngruppe des Emmenfeld Betagtenzentrums. Gemeinsame Aktivitäten mit den KiTa-Kindern und den Bewohnerinnen und Bewohnern gehören ganz natürlich zum Alltag.

Pioniergeist bei der BZE AG

Kinder und Demenzbetroffene intergenerationell betreut

Kinder der KiTa LUUSZAPFE verbringen ihren Betreuungsalltag gemeinsam mit den demenzbetroffenen Bewohnenden in der Wohngruppe des Emmenfeld Betagtenzentrums der Betagtenzentren Emmen AG (BZE AG). Ein einzigartiges Modell in der Schweiz, das intergenerationelle Betreuung zukunftsfähig macht.

Seit September 2024 teilen Vorschulkinder der KiTa LUUSZAPFE und Menschen mit Demenz in der Wohngruppe des Emmenfeld Betagtenzentrums ihren Alltag. Was als Pilotprojekt begann, ist heute fester Bestandteil des Alltags: Die Kinder der Gruppe «Spielmüüs» (Kinder im Alter zwischen drei und fünf) verbringen täglich einen grossen Teil der Betreuungszeit in der Wohngruppe. Begegnungen und Aktivitäten wie das gemeinsame Singen am Vormittag gehören da selbstverständlich dazu.

«Das Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen ist sehr wertvoll, um gegenseitiges Lernen zu fördern. Und da intergenerationelle Familienformen kaum noch existieren, können Kinder in diesem Setting viel lernen für die Zukunft. Zudem haben Demenzbetroffene mit den Kindern wieder wache Momente. Der Mut, das Projekt so intensiv zu gestalten, macht den entscheidenden Unterschied.»
Edith Kaufmann, Pflegefachfrau, Gerontologin und Leiterin Angebote Alzheimer Luzern

Neuland in der Betreuung
Die BZE AG hat mit der intergenerationellen Betreuung Neuland betreten. Laut Projektinitiantin Sabine Felber, bis Frühjahr 2026 Bereichsleiterin Pflege und Betreuung der BZE AG, «ist die KiTa LUUSZAPFE schweizweit die erste KiTa, die ein solches Projekt durchgehend in ihren Alltag integriert». Auch Alexie Burri, Sozialarbeiterin der Jugend- und Familienberatung der Gemeinde Emmen und zuständige Pflegekinderaufsicht, bestätigt: «Ich habe weltweit nichts Vergleichbares gefunden.» Monika Bütler, Co-Ressortleitung Pflege und Betreuung, Sina Kaufmann, Co-Leitung Team KiTa sowie Angela Fritzsche, Co-Leitung Team Wohngruppe vormals KiTa waren von Beginn an der Konzeption, der Entwicklung und der Implementierung beteiligt. Sie leisten bis heute den entscheidenden Beitrag zum Gelingen des Pionierprojekts.

Sina Kaufmann, Co-Leitung Team KiTa und Monika Bütler, Co-Leitung Pflege und Betreuung BZE AG sind zusammen mit Angela Fritzsche, Leitung Team Wohngruppe Emmenfeld Betagtenzentrum (in Mutterschaft) für die intergenerationelle Betreuung bei der BZE AG verantwortlich.

Wissenschaftliche Untersuchung durch die HSLU
Zur wissenschaftlichen Untermauerung der intergenerationellen Betreuung, hat die Organisation Fokus Frühe Kindheit eine Projektarbeit bei der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit eingegeben. Barbara Liefert-Steiner und Joshua Gurtner (Begleitperson: Prof. Dr. Karin Stadelmann) untersuchten in Zusammenarbeit mit der BZE AG erste Wirkungen des Projekts auf beide Generationen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die intergenerationelle Betreuung entfaltet positive Wirkungen auf beide Seiten. Menschen mit Demenz erleben mehr Freude, Aktivierung, soziale Teilhabe und Zugehörigkeit. Die Kinder entwickeln Empathie, Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein und einen natürlichen Umgang mit Alter und Krankheit. Besonders bedeutsam: Die Wirkungen verstärken sich durch Regelmässigkeit. Wiederkehrende Begegnungen ermöglichen echten Beziehungsaufbau – und genau das unterscheidet das Modell der BZE AG von anderen Bestrebungen.

Fachstimmen stehen hinter dem Projekt
Edith Kaufmann, Pflegefachfrau und Gerontologin sowie Leiterin Angebote bei Alzheimer Luzern, hat die Mitarbeitenden der Teams – KiTa und Wohngruppe der BZE AG – in gemeinsamen Schulungen auf das Projekt vorbereitet und begleitet sie weiterhin: «Das Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen ist sehr wertvoll, um gegenseitiges Lernen zu fördern. Und da intergenerationelle Familienformen kaum noch existieren, können Kinder in diesem Setting viel lernen für die Zukunft. Zudem haben Demenzbetroffene mit den Kindern wieder wache Momente. Der Mut, das Projekt so intensiv zu gestalten, macht den entscheidenden Unterschied.»

Patrick Walpen, Fokus frühe Kindheit, wurde zugezogen, um die Risiken für die Kinder in der intergenerationellen Betreuung zu analysieren: «Ich habe die Räumlichkeiten und Sequenzen gesehen, das Konzept geprüft und die Mitarbeitenden befragt. Im Rahmen dieser Gespräche habe ich eine hohe Feinfühligkeit, eine hohe Motivation und grosse Freude für diese Tätigkeit festgestellt. Ich finde das Projekt toll und kann auch fachlich dahinterstehen.» Der enge Einbezug und das nötige Vertrauen der Eltern war von Anfang an Voraussetzung, um Ängste abzubauen und transparente Einblicke zu gewähren.

Beat Niederberger, Gemeinderat und Direktor Soziales und Gesellschaft der Gemeinde Emmen meint: «Die intergenerationelle KiTa ist ein mutiges und innovatives Projekt, das sehr gut zu Emmen passt. Wenn Kinder und Menschen mit Demenz ihren Alltag miteinander teilen und voneinander profitieren können, entstehen wertvolle Begegnungen über Generationen hinweg. Dass die BZE AG diesen Weg geht und das Projekt zugleich wissenschaftlich begleiten lässt, zeigt echten Pioniergeist. Solche Ansätze können wichtige Impulse dafür geben, wie wir Betreuung, Pflege und gesellschaftliches Zusammenleben künftig gestalten.»

«Ich habe die Räumlichkeiten und Sequenzen gesehen, das Konzept geprüft und die Mitarbeitenden befragt. Im Rahmen dieser Gespräche habe ich eine hohe Feinfühligkeit, eine hohe Motivation und grosse Freude für diese Tätigkeit festgestellt. Ich finde das Projekt toll und kann auch fachlich dahinterstehen.»
Patrick Walpen, Fokus frühe Kindheit

Gesellschaftliche Tragweite und Ausblick 
Das intergenerationelle Projekt der BZE AG ist nicht nur ein Betreuungsmodell – es ist eine gesellschaftliche Antwort auf eine wachsende Herausforderung: Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) wurden 2024 in der Schweiz 71 Prozent der Kinder zwischen null und drei Jahren familienergänzend betreut, während immer mehr ältere Menschen in stationären Einrichtungen leben. Intergenerationelle Begegnungen werden seltener – die BZE AG wirkt dem aktiv entgegen. Und das mit Erfolg: 35,7 % der durch die HSLU befragten Familien waren mit der intergenerationellen Betreuung voll und ganz zufrieden, 64,3 % zufrieden.

Die Alois & Auguste Stiftung hat das Projekt mit einem Förderbeitrag von CHF 30'000 unterstützt. Die Gemeinde Emmen hat im Dezember 2025 die Betriebsbewilligung erteilt. Das Interesse aus Fachkreisen wächst.

Die BZE AG denkt bereits weiter: Im Ersatzneubau des Haus Mattli beim Alp Betagtenzentrum (Bezug bis 2030/2031) wird eine weitere intergenerationelle KiTa mitgeplant.

«Die intergenerationelle KiTa ist ein mutiges und innovatives Projekt, das sehr gut zu Emmen passt. Wenn Kinder und Menschen mit Demenz ihren Alltag miteinander teilen und voneinander profitieren können, entstehen wertvolle Begegnungen über Generationen hinweg. Dass die BZE AG diesen Weg geht und das Projekt zugleich wissenschaftlich begleiten lässt, zeigt echten Pioniergeist. Solche Ansätze können wichtige Impulse dafür geben, wie wir Betreuung, Pflege und gesellschaftliches Zusammenleben künftig gestalten.»
Beat Niederberger, Gemeinderat und Direktor Soziales und Gesellschaft der Gemeinde Emmen
1. Oktober 2026